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Ashtanga Yoga/Die acht Stufen des Yoga

Das Wort Ashtanga setzt sich aus den Sanskrit Begriffen »ashto« (acht) und »anga« (Glieder) zusammen und bezieht sich somit auf den achtgliedrigen Pfad des Patanjalis. Yoga mit acht Gliedern.

Alles im Leben kann Yoga sein. Kopfstehen und Beine verknoten sind nur Teilaspekte der Disziplin. Beim Yoga kommt es auf die Bereitschaft des Geistes an, vollkommen im Augenblick zu weilen und die Dinge anzunehmen wie sie sind. Ohne Vorurteile. Ohne vorgefasste Meinungen. Wer Yoga praktiziert, erlebt die Welt offen und unvoreingenommen wie ein Kind. Und mit der Begeisterung eines Kindes gibt er sich auch seinem Tun hin, sodass Körper und Geist eine Einheit bilden und das individuelle Sein mit dem kosmischen Sein verschmilzt – sei es beim Kopfstehen, beim Abwasch oder beim Tanz.

»Yogah cittavrtti nirodhah«

Yoga ist der Zustand, in dem der Geist zur Ruhe kommt.

Und wie geht das? Auch darauf gibt uns Patanjali eine Antwort. Im zweiten Kapitel des Yogasutra beschreibt er den ganzheitlichen Übungsweg zur Überwindung der Kleshas, der störenden Kräfte, als acht-gliedrigen Pfad. Das spannende daran ist, dass diese Schriften ziemlich alt sind (genau weiss man’s nicht, aber man vermutet so an die 2000 Jahre) und dabei trotzdem so unglaublich zeitlos. Die acht Übungsglieder bieten auch im 21. Jahrhundert eine praktische Anleitung, wie man den Zustand von Yoga erreichen kann.

Der acht-stufige Pfad

Yama – Verhaltensregeln im Umgang mit der Natur und anderen Menschen.

Niyama – Verhaltensregeln im Umgang mit uns selbst

Asana – Körperübungen

Pranayama – Atemübungen.

Pratyahara – Der Rückzug der Sinne nach Innen

Dharana – Konzentration und Ausrichtung des Geistes

Dhyana – Meditation

Samadhi- Vollkommene Erkenntnis, Einheitserfahrung

 

Yamas und Niyamas sind Inspirationen, wie man Yoga im Alltag, abseits der Matte, praktizieren kann. Denn auch wenn wir Yoga für bzw. mit uns selbst üben, leben wir nicht einsam in einer Bärenhöhle sondern sind immer noch auf ein soziales Miteinander angewiesen.

 

Die fünf Yamas, also Regeln im Umgang mit unserer Umwelt, sind:

Ahimsa: Gewaltlosigkeit

Satya: Wahrhaftigkeit

Asteya: Nicht-Stehlen

Brahmacarya: Handeln im Bewusstsein um die Quelle, aus der wir alle kommen

Aparigraha: Nicht horten, nicht begierig sein, nicht beneiden

 

Die fünf Niyamas sind eine Anleitung zum Umgang mit uns selbst:

Shauca: Reinigung von Körper und Geist

Santosha: Genügsamkeit und Dankbarkeit

Tapas: Disziplin

Svadhyaya: Selbststudium

Ishvara Pranidhana: Vertrauen in eine höhere Kraft

 

Asanas sind Körperübungen und sollen die Gesundheit erhalten bzw. wiederherstellen und die Widerstandsfähigkeit des Körpers steigern. Durch Asanas soll der Körper auf die Meditation vorbereitet werden.

Durch Pranayama lernen wir, den unregelmässigen Atem zu zähmen und ihn lang und fein werden zu lassen. Damit bildet Pranayama in gewisser Weise ein Tor zwischen Körper und Geist. Denn mit dem Atem können wir das Prana, die Lebensenergie, beeinflussen.

Pratyahara meint das Besänftigen der Sinne, die im Alltag ganz unkontrolliert auf äußere Reize reagieren, und schließlich ihren Rückzug nach Innen.

Die letzten 3 Stufen nennt Patanjali Samyama, das bedeutet Versenkung. Dazu gehört Dharana, die anhaltende Ausrichtung des Geistes und die Steigerung davon: Dhyana, die Meditation. Samadhi, das Ziel des Yogawegs, ist die aus den beiden vorangehenden Gliedern resultierende vollkommene Erkenntnis, die innere Freiheit bringt.

 

Zum Yoga gehört also viel mehr als Asanas zu üben bis sie perfekt aussehen. Wenn wir dem Pfad achtsam folgen und Atem, Geist und Sinne mit in unsere Praxis einbeziehen, erhalten wir einen ganzheitlichen Übungsweg. Auch wenn das Erreichen von absoluter Freiheit vielleicht ein ganz schön hoch gestecktes Ziel sein mag, lernen wir unterwegs nach und nach eine Menge über uns selbst. Und erhalten dabei die Möglichkeit festgefahrene Verhaltensmuster, die Ursache für unser Leid, zu erkennen und für die Zukunft zu ändern. Das das freilich nicht von Heute auf Morgen geht, ist klar. Also nur Geduld, dranbleiben und üben üben üben! Und dabei nie vergessen: Der Weg ist das Ziel – das gilt natürlich auch beim Yoga.