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Mudra & Bandha

Mudra & Bandha

Yoga kommt von der Sprachwurzel »yuj« und bedeutet „anjochen, verbinden“ – wir verbinden die heiße Energie des untersten Punktes unseres Körpers (am Damm) Ha, die Sonne, mit der kühlen Energie am höchsten Punkt (Schädelpunkt =Kronenpunkt) Tha, den Mond, miteinander.

Mudra - Das yogische Siegel

Mudra bedeutet Zeichen oder Siegel, dieses Wort setzt sich aus den Silben mud - »glücklich sein« & ra - »geben« zusammen. Das, was Freude oder Wohlgefühl gibt. Mudras sind in ihrer Ausführung sehr verschieden, sie können sowohl als einfache Geste, Atemtechnik oder Körperhaltung ausgeführt werden. In den alten Schriften der Hathayoga-Pradipika & Gheranda-Samhita werden auch die Bandhas zu den yogischen Siegeln gezählt, da sie in ihren Wirkungen diesen ebenbürtig sind.

In den Quellentexten erfahren wir, dass Mudras vor allem dazu dienen Prana, unsere Lebenskraft, zu lenken & die Kundalini-Energie zu erwecken, damit diese in unserem zentralen Energiekanal, Sushumna-Nadi, ihren Weg nach oben nimmt. Mudras stimulieren & harmonisieren unseren Körper.

Noch mehr als viele andere Techniken der Yoga-Praxis erschließen sich die Wirkungen der Mudras ausschließlich über das innere Erleben. Ihr Wesen zeigt sich erst durch fortgesetztes Üben, Ruhe & Aufmerksamkeit. So können wir, laut der alten Schriften, übernatürliche Fähigkeiten entwickeln & das »Besiegen von Alter & Tod« herbeiführen. Ob wir diese Wirkungsweisen nun wörtlich oder im symbolischen Sinne deuten bleibt uns überlassen.

Die bekanntesten Finger-Mudras im westlichen Yoga

Anjali-Mudra: Sitze aufrecht auf der Erde, bringe die Hände mit festem Druck zueinander, sodass die Daumen auf dem Brustbein liegen, die Unterarme berühren den Brustkorb. Diese Geste drückt tiefste Verehrung & Respekt aus.

Chin-Mudra: Verbinde Daumen & Zeigefinger, lass die Handfläche nach unten zeigen. Hier symbolisiert der Daumen das höhere Wissen, das Übergeordnete & all das, was

wir mit dem bloßen Auge nicht verstehen können. Unser Zeigefinger ist das Ego. Dieses verneigt sich voller Respekt.

Vishnu-Mudra: Klappe den Zeige-& Mittelfinger in Richtung der Handfläche, strecke Daumen, Ring-& kleinen Finger ab. Dieses Mudra wird im Zusammenhang mit Pranayama (yogischer Atemtechnik) verwendet, um die Nasenlöcher zu verschließen. Vishnu wird in der hinduistischen Mythologie als Gott der Erhaltung verehrt.

Bandha - den Energiefluss lenken

Bandhas sind Kontraktionen und haben für die Ausführung jeder Asana eine große Bedeutung.

Dazu verwenden wir nicht nur unseren Atem, den wir wie eine Perlenkette Atemzug um Atemzug entlang unserer Wirbelsäule nach oben wandern lassen, sondern auch KÖRPERSCHLEUSEN, auch bezeichnet als Bandhas.

Mittels der bewussten Kontraktion bestimmter innerer Muskelgruppen bewirken wir nicht nur eine Stabilisierung in der Haltung, sondern auch eine Veränderung der energetischen Situation im Körper, da Bandhas wie Verschlüsse sind, mit deren Hilfe wir den Energiefluss in eine gewünschte Richtung lenken können. Dies wiederum verändert die Leitfähigkeit unserer Nerven, beeinflusst das Fließen unserer Rückenmarksflüssigkeit und hat das Aufsteigen der Körperenergie zu den höheren Chakren (= feinstoffliche Energiezentren) zur Folge.

Sind unsere oberen Chakren offen, dann sind wir „gut drauf“ und die Qualität unserer Meditation kann sich verändern.

Und wie wir wissen, ermöglicht uns dies auch eine Erweiterung unseres Bewusstsein, unseres ,,bewussten Seins” und setzt somit auch Potential für Heilung frei.

Mula Bandha, der Wurzelverschluss: hier wird die Beckenbodenmuskulatur angespannt. Dadurch verändert sich die Stellung des Beckens, was zu mehr Halt vor allem im unteren Rücken führt. Feinstofflich wird Energie (Apana Vayu) umgelenkt & fließt Richtung Körpermitte mit dem Ziel der Energiekonzentration.

Uddiyana Bandha, der Bauchverschluss (nach Innen): nach der vollständigen Ausatmung wird die Bauchmuskulatur nach hinten zur Wirbelsäule & dann nach oben gezogen. Hierbei erfährt der ganze Rücken Stabilität. Das Zwerchfell wird angehoben, die Bauchorgane zur Wirbelsäule gedrückt. Der Solarplexus wird aktiviert & die ,,Lebensenergie Prana fliegt in Sushumna Nadi (zentraler Nervenkanal) auf” (uddiyana heißt wörtlich auffliegen).

Jalandhara Bandha, der Halsverschluss: der Halsbereich wird kontrahiert, indem man das Kinn zur Brust zieht. Dabei wird der Nacken gestreckt. Da hier ein Netz aus vielen Nerven & Blutgefäßen sitzt, beruhigt dieser Verschluss Körper & Geist. Prana wird einerseits nach unten zur Körpermitte umgelenkt, andererseits kann die Energie aus dem Kopf (der Yogi spricht hier von Soma) nicht nach unten in den Körper fließen, wo sie verbrennen würde.

Maha Bandha, der große Verschluss: man sitzt im halben Lotus & setzt sowohl Mula als auch Jalandhara Bandha. Dadurch werden die Energien von oben & unten zur Körpermitte gelenkt, um dort aufeinander zu treffen. Diese Energiekonzentration vereinigt die drei Kanäle Ida, Pingala & Sushumna ,, & konzentriert den Geist auf den Kedara” (Ajna Chakra, Punkt zwischen den Augenbrauen).