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Pranayama

prana: Atem; Lebensenergie

ayama: Ausdehnung; Kontrolle

pranayama: Atemkontrolle; Ausdehnung der Lebensenergie



Wenn man prana mit Atem oder Lebensenergie übersetzt, dann trifft es nicht ganz die vollständige Bedeutung dieses Sanskrit-Wortes.

Swami Vivekananda, der beim Weltparlament 1893 in Chicago Yoga erstmalig einem großen westlichen Publikum vorstellte, schrieb: “Prana ist die unendliche allgegenwärtig sich manifestierende Energie dieses Universums...aus diesem prana entwickelt sich alles, was wir Kraft nennen. Es ist der prana, der sich als Schwerkraft, als Magnetismus kundtut. Es ist der prana, der sich in den Verrichtungen des Körpers, den Nervenbahnen & als Denkkraft offenbart. Die Gesamtheit aller Kräfte im Weltall, geistiger wie körperlicher, wird, wenn sie sich in ihren ursprünglichen Zustand aufgelöst hat, prana genannt.”


Über nadi, so genannte Energiebahnen, gelangt prana in unseren Körper & verteiltsich hier. 72.000 nadi sollen dafür sorgen. Drei der wichtigsten sind ida & pingala (die rechts & links entlang der Wirbelsäule verlaufen) & sushumna (entlang der Mittelachse). Über diese gelangt prana in unseren Körper. Sind sie blockiert, kann die Energie nicht vollständig aufgenommen & verteilt werden. Um die nadi weit zu öffnen, bedarf es der asana-Praxis, die Übungen der Körperhaltungen. Um sie zu reinigen, wenden wir pranayama, die Atemtechniken an. Wenn dies geschehen ist, so sagt Patanjali im Yogasutra, dann sind wir bereit für die nächste Stufe im Yoga.


Patanjali gliedert Yoga in acht Stufen & pranayama ist die vierte davon, welche Bewusstsein für den Atem, sowie Ruhe & Stille schafft, um Körper & Geist so auf die tiefe Meditation vorzubereiten.

Denn in der heutigen Zeit atmen die meisten Menschen nicht bewusst. Dazu kommt unser stressiger Lebensrhythmus, der zu einer oberflächlichen & flachen Atmung führt. Daraus resultiert sich eventuell wiederum ein Abbau oder Verspannungen der Atemmuskulatur, wie z.B. des Zwerchfells. Oder es wirkt sich auf die Lungenfunktion aus, sodass sich z.B. das Lungenvolumen reduziert. Als Folge gelangt weniger lebenserhaltender Sauerstoff in die Zellen unseres Körpers.

Viele Yogaanfänger sehen daher in den Atemübungen oft die größte Herausforderung für sich, wenn sie beim Yoga lernen, wieder “richtig” zu atmen.

Im pranayama mobilisieren & stärken wir nicht nur unsere Atemmuskulatur, sondern üben auch Einfluss auf das Nervensystem. Durch diese Techniken können energetische Prozesse in Gang gesetzt werden, die eine starke Wirkung haben. Daher ist es angezeigt, bestimmte Techniken nur unter fachkundiger Anleitung eines erfahrenen Yogalehrers bzw. einer erfahrenen Yogalehrerin durchzuführen. Unter dieser Anleitung steigern wir die Leistungsfähigkeit der Atmung & üben die Kontrolle über Atemtiefe, Takt & Intensität.


Es gibt 3 Phasen im pranayama:

puraka: Einatmung

kumbhaka: Anhalten des Atems

rechaka: Ausatmung


Einige der bekanntesten Techniken, auf die wir in diesem Monat in der Yogabar intensiv eingehen werden, sind:

anuloma viloma (Wechselatmung)

kapalabhati (Lungenreinigung)

ujjayi (Atemverlängerung)

bhramari (Bienenton-Atmung)

bhastrika (Blasebalg)

sitkari (zischender Atem)

shitali (kühlender Atem)

 

“Das Atmungssystem ist das Tor zur Reinigung von Körper, Seele & Geist. Der Schlüssel dazu ist Pranayama.”

 

                                                      B.K.S. Iyengar: Licht auf Pranayama