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Drishti

Drishti

drshti (Sanskrit) = Blick, Sichtweise, Ansicht

Drishti bezeichnet einerseits einen Fixpunkt während eines Asana (Körperhaltung), andererseits die Art des Blickes während der Meditation.

In der Asana-Praxis, vor allem im Ashtanga-Yoga des Patthabi Jois, der ein Schüler von T. Krishnamacharya, dem Begründer des Vinyasa-Yoga war, gibt es 9 Drishtis:

  1. Nasagrai, Blick zur Nasenspitze (z.B. Setu Bandha Sarvangasana, Schulterbrücke)

  2. Ajna Chakra oder Bhrumadhya, zum Augenbrauenzentrum (z.B. Simhasana, Löwe)

  3. Nabi Chakra, zum Bauchnabel (z.B. Adho Mukha Shvanasana, Herabschauender Hund)

  4. Hastagrai, zur Hand (z.B. Utthita Trikonasana, gestrecktes Dreieck)

  5. Padhayoragrai, zu den Zehen (z.B. Pashchimottanasana, sitzende Vorbeuge)

  6. Parshva Drishti, weit nach rechts (z.B. Ardha Matsyendrasana, Drehsitz)

  7. Parshva Drishti, weit nach links  

  8. Angushtha Ma Dyai, zu den Daumen (z.B. Utkatasana, Kraftvolle Haltung)  

  9. Urdhva oder Antara Drishti, hoch zum Himmel (z.B. Parighasana, Querbalken)

Würden wir ständig von hier nach da schauen, wären unsere Augen unruhig. Es ist ähnlich wie bei unserem Atem. Ist der Atem unruhig, ist auch unser Geist unruhig. Wandern unsere Augen hin & her, wandern auch unsere Gedanken hierhin & dorthin. Wir sind dann nicht wirklich ganz bei uns, in unserer Mitte.

Drishti als Fixpunkt während der Asanapraxis ist, neben Mula Bandha (Wurzelverschluss) & Ujjayi-Atmung (Siegreicher Atem), ein wertvolles Werkzeug zur Konzentration. Dabei geht der Blick oft eher in die Ferne, wodurch sich die Augenmuskeln entspannen. Aber in Wirklichkeit schauen wir nach innen. Unser Fokus ist dann wie eine Taschenlampe, welche die Stellen in uns während jeder Körperhaltung beleuchtet. Etwas schiebt sich in den Vordergrund & durch unsere verfeinerte Aufmerksamkeit, können wir genau dies wahrnehmen.

Unser Sehsinn ist energetisch mit dem Manipura Chakra verbunden. (manipura = Stadt der Juwelen, chakra = Rad).

In der yogischen Anatomie stellt man sich verschiedene Energieräder in unserem Körper vor, die für verschiedene Eigenschaften stehen.

Manipura liegt als 3. Hauptchakra auf Höhe des Bauchnabels bzw. des Solarplexus an der Wirbelsäule & ist Sitz der Macht & des Gleichgewichtes, soll heißen, wenn hier die Energie gut fließt, wissen wir, was wir wollen & was nicht & befinden uns in unserer Mitte..

Es ist nicht wichtig, sich die Drishtis im einzelnen zu merken, meist finden unsere Augen intuitiv den Fixpunkt in der jeweiligen Körperstellung. Entscheidend ist, dass man es macht. Deshalb werden wir in diesem Monat unser “Augenmerk” auf diese Blickpunkte in der Praxis richten.

Patthabi Jois: “Take practise and all is coming.”